Was ist Krav Maga?

Krav Maga (hebr. – „Kontaktkampf“) ist ein modernes und zweckorientiertes Selbstverteidigungssystem für jedermann. Basierend auf einfachen Prinzipien, intuitiven Bewegungen und natürlichen Reflexen ist Krav Maga entwickelt worden, um in kürzester Zeit eine realitätsnahe und praxisgerechte Selbstverteidigung zu erlernen.

Ein besonderes Merkmal ist die ausgefeilte Lehr-Methodik und – Didaktik.

Gelehrt werden Verteidigungen gegen Schläge, Tritte, Umklammerungen, Würgeangriffe und Angriffe mit Waffen. Ebenso wird die Fähigkeit trainiert, bei unerwarteten Attacken insbesondere unter Stress schnell und effizient zu agieren.

Krav Maga besteht überwiegend aus Hand- und Fußtechniken, sowie einigen Hebeln und „Würfen“. Von den bekannten Systemen überwiegend fernöstlicher Herkunft unterscheidet es sich vor allem durch seine strikte Ausrichtung auf die Belange der „Straße“.

To educate and build people mentally, spiritually, and  physically so that in a time of need one will be able to defend and attack with maximum speed and  efficiency.” – Imrich Lichtenfeld

„Don’t get hurt“

Es gibt dementsprechend keine Bindung an eine bestimmte Tradition, Kultur, Philosophie oder Religion. „Don’t get hurt“ ist alles, was zählt. Folglich ist eine KM-Technik nicht perfekt, wenn sie schön ist, sondern dem Zweck dient, gewalttätige Konflikte möglichst unbeschadet zu überstehen, wenigstens zu überleben.

Aus den Abwehrhandlungen einer Selbstverteidigung mag sich ein richtiger Kampf, sprich: eine Prügelei, entwickeln. Doch erst einmal geht die Krav Maga-Variante einer Selbstverteidigung für Zivilisten davon aus, dass der durchschnittliche Angreifer von der Gegenwehr in die Flucht geschlagen wird oder dass es der angegriffenen Person gelingt, zu fliehen. Denn für den Zivilbürger gilt: „Don’t get hurt!“ – Man soll die Situation nicht heroenhaft als klarer Sieger bestehen, sondern an seine Gesundheit denken. Und dementsprechend es bei der Gegenwehr belassen, die die unmittelbaren Folgen einer Attacke beantwortet.

„Keep it simple and stupid“

Im Krav Maga werden Techniken betont, die im sportlichen Wettkampf anderer Systeme nicht eingesetzt werden, weil sie entweder zu gefährlich sind oder wenig Punkte bringen.

Demzufolge gibt es im Krav Maga auch keine sportlichen Wettkämpfe. Sehr früh werden aber Trainingsmethoden eingesetzt, die den KM-Schüler unter Druck setzen und ihn in eine Situation voller Stress bringen. So werden physische und psychische Belastungen einer realen Konfrontation annähernd simuliert. Je nach Trainingsgruppe – Zivilisten, Polizisten, Soldaten – können diese Stress-Trainings intensiviert werden.

Für Selbstverteidigung wie Kampf, für Zivilisten wie Polizisten und Soldaten aber gilt immer das Prinzip der Vorwärtsverteidigung. Ist der Notfall da, wird offensiv, direkt, schnell und ohne Umschweife  zu Werke gegangen. Ziel ist es, die Konfrontation so schnell wie möglich so umfassend wie nötig zu beenden.

Waffenabwehr

Besonderen Raum nimmt im Krav Maga die Waffenabwehr ein. Für (europäische) Bürger ist dabei in erster Linie die Verteidigung gegen Stich- und Schlagwaffen interessant.

Sich einem Angriff durch Flucht zu entziehen, gehört dabei ebenso zu den Mitteln wie präventive Maßnahmen oder der Einsatz von jedwedem Hilfsmittel: Taschen und Rucksäcke, Besenstiele und Bretter, Regenschirme und Kugelschreiber, Münzen und Schlüsselbund – alles, was greifbar ist und gegen eine Attacke eingesetzt werden kann.

Selbstverteidigung für die Gegenwart

Krav Maga wurde im Zuge der Bildung des Staates Israels erschaffen und entwickelt sich ständig weiter. Im Krav Maga steckt die Erfahrung der israelischen Sicherheitskräfte aus zahlreichen Kriegen und Konflikten in den vergangenen 50 Jahren.Krav Maga interessiert sich nicht für eine 500- oder gar 2000-jährige Tradition. „Think Krav Maga“ – das bedeutet auch: Das Leben ist hier und heute und die Konfrontationen sind jetzt und gleich.

Geschichte und Gründer

Krav Maga verdankt seine Entstehung dem osteuropäischen Juden Imrich (genannt Imi) Lichtenfeld. Geboren 1910 in Budapest, wuchs er in den dreißiger Jahren in Bratislava in der Tschechoslowakei auf und war zu dieser Zeit ein Spitzenathlet in verschiedenen Disziplinen – vor allem aber im Boxen und Ringen. Imi wurde stark von seinem Vater Samuel beeinflusst, der Polizei-Detektiv und Selbstverteidigungslehrer war. Samuel Lichtenfeld gründete in Bratislava einen Club für Gewichtheben und Kraftsport, genannt „Hercules“, bevor er zur Polizei ging. Imi gewann mehrere nationale Meisterschaften in Boxen und Ringen, widmete sich aber auch dem Gewichtheben, Gymnastik und Schwimmen. Seine körperlichen Fähigkeiten setzte er zudem in Theater- und Ballett-Gruppen ein.

Vom Sportsmann zum Straßenkämpfer

Seine Feuerprobe aber bestand Imi Mitte der dreißiger Jahre, als er sich und andere in gewalttätigen Straßenkämpfen verteidigen musste. Dabei zog er den Schluss, dass sportliche orientierte Methoden wie Boxen und Ringen an der brutalen Realität vorbeigehen. Damals entstand der Grundgedanke von Krav Maga – einfache und effektive Lösungen für komplizierte und chaotische Situationen.1940 flüchtete Imi vor den Nazis auf einem der letzten Schiffe, die Europa verlassen konnten. Er brach Richtung Palästina auf und kämpfte anderthalb Jahre mit der Tschechischen Legion in der Britischen Armee im Mittleren Osten.

1948 – Geburtsstunde des Staates Israel, Geburtsstunde des KM

Nach seiner Ankunft in Israel 1942 hebräisierte Imi seinen Familiennamen in Sde-Or und begann Teile der jüdischen Untergrund-Streitkräfte Haganah und deren Eliteeinheit Palmach zu trainieren. 1948 wurde der Staat Israel und seine offizielle Armee gegründet, und Imi wurde Chefausbilder für Leibeserziehung und Krav Maga an der School of Combat Fitness. Mehr als zwanzig Jahre lehrte er dort; u.a. gehörten die Elitekämpfer der israelischen Spezialeinheiten zu seinen Schülern. Jedoch sollte Krav Maga auch den Bedürfnissen der zahlreichen einfachen Soldaten und Soldatinnen entsprechen. Daher blieb es Imis Ziel, dass Krav Maga auch dem Schreibstuben-Soldaten in kurzer Zeit zu einer akzeptablen Selbstverteidigungs- fähigkeit verhelfen sollte. Ebenso war es wichtig, dass sich einmal erworbene Kenntnisse leicht wieder auffrischen ließen.

Krav Maga für Zivilpersonen

Nach seinem Ausscheiden aus der Armee widmete sich Imi der Anpassung seines Systems an die Bedürfnisse von Zivilpersonen. Er wünschte sich, dass jeder – ob Mann oder Frau, ob Jung oder Alt, ob stark oder schwach – sich oder seine Nächsten mit Hilfe von Krav Maga schützen könnte. Imi bildete KM-Instruktoren aus und half, Krav Maga-Lehrinstiute in ganz Israel auch außerhalb von Militär und Polizei aufzubauen.

1978 wurde die Israeli Krav Maga Association gegründet – mit Imi als Präsidenten auf Lebenszeit. Drei Jahre später begann man damit, Krav Maga im Ausland zu verbreiten. Anfang der neunziger Jahre wurde die International Krav Maga Federation auf Initiative Imis gegründet.

Aktiv bis ins 87. Lebensjahr

Bis kurz vor seinem Tod entwickelte Imi, Krav Maga Techniken und -Methoden. Lichtenfeld, genannt „Warrior and Gentleman“, starb im Januar 1998. Im Vorwort zum bisher einzigen Buch über Krav Maga (How to defend yourself against armed assault) gratulierten Yitzhak Rabin, Israels früherer (und ermordeter) Ministerpräsident und Shimon Peres (in mehreren Regierungen Außen- und Verteidigungsminister) Imi zu seinem Lebenswerk.

„The imparting of physical fitness und Krav Maga to IDF soldiers and officers and Imi Lichtenfeld are one and the same, an integral part of IDF activity“ – Rabin 1992

Die IKMF in der Gegenwart – Der Director Avi Moyal

Avi Moyal, geboren 1966, fing in seiner frühen Kindheit mit dem Krav Maga Training an und im Jahr 1985 bestand er seinen Test zum Expert Level.

Er trat in die Marines der Israel Defence Force (IDF) ein, wo er die Offiziersausbildung mit Auszeichnung abschloss. Er diente als Platoon Commander in einer Anti-Terror-Einheit und sammelte Einsatzerfahrung in speziellen Missionen hinter feindlichen Linien. Nach seiner aktiven Zeit beim Militär, ist er als Platoon Commander der Reserve aktiv.

Avi arbeitet als Krav Maga Berater der israelischen Regierungsbehörden, unter anderem für den Minister für Sport und Erziehung. Er erarbeitete ein Selbstverteidigungsprogramm für Frauen und ein Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsprogramm für Kinder im Auftrag der israelischen Regierung.

Des Weiteren leitet er regelmäßig in verschiedenen Ländern Krav Maga Instructoren-Ausbildungen und Weiterbildungen.

Avi Moyal ist der 1. Vositzende der International Krav Maga Federation (IKMF).